Irland 2022

Aktualisiert: 20. Juli

„If you want to go fast, go alone. If you want to go far, go together.”


Nach über zwei Jahren Reiseflaute war es uns nun endlich wieder möglich, diesem Motto eine wortwörtliche Bedeutung zu geben. Das Ziel: Die grüne Insel Irland.


Nach langer und ergiebiger Planung, sowohl musikalisch als auch organisatorisch, hielt sich die Vorfreude unserer 66 Sängerinnen und Sänger nicht mehr in Grenzen, als wir uns am Freitag, dem 3. Juni auf den Weg zum Frankfurter Flughafen machten. Mit im Bus saßen neben Thomas Kammel und Sylvia Lohse auch unsere reizende Pianistin Alwina Meissner und als weitere Unterstützung Daniela Burkart, die bereits am Flughafen mit Rat und Tat sowohl der Chorleitung als auch den Jugendlichen beiseite stand.


Als wir dann mit etwas Verzögerung am Sonntag alle an unserem ersten Zielort Balbriggan, etwa zehn Kilometer nördlich von Dublin, angekommen waren, verflog die Müdigkeit der Anreise schon sehr bald. Im Gegenteil, die Stimmung der Jugendlichen stieg nur wenige Minuten nach Beginn unseres ersten Workshops rasant in die Höhe! Dieser Workshop wurde von einer temperamentvollen Mutter und ihren beiden Töchtern angeleitet, die uns ein paar einfache Schritte und Tänze aus dem Irish Dance beibringen sollten. Während diese elegant und leichtfüßig uns die Schritte vormachten, stolperten viele unserer Chormitglieder bei dem schnellen Tempo der irischen Musik über den Boden. Aber, wie unsere Lehrerin stets betonte: “The sillier it looks, the more fun it is!”



Nach dem doch sehr anstrengenden Workshop hatten wir nicht viel Zeit uns auszuruhen, denn im Anschluss zu dieser Tanzstunde erwartete uns gleich ein renommierter Chorleiter und Leiter des „Irish Insitute of Music and Song“, in welchem wir auch untergebracht waren, um einige Feinheiten unserer Stücke aus dem Repertoire zu besprechen. Zusätzlich brachte Michael uns auch ein typisch irisches Lied mit dem Namen „The auld triangle“, das uns den Rest der Reise begleiten sollte.


Der Aufenthalt im gemütlichen Balbriggan war leider nur von kurzer Dauer, denn schon am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Nordirland, besser gesagt die Stadt Derry/Londonderry, also Großbritannien. Die Busfahrten zwischen unseren Stopps waren nicht sehr lang, da die irische Insel eben doch nicht so groß ist. Insgesamt sind wir in den 10 Tagen unseres Aufenthaltes aber immerhin 1.200 km gefahren, in zwei Bussen. Es gibt sehr viel wunderschöne Natur zu betrachten, weshalb wir unsere Busfahrten auch immer mit etwas „Sightseeing“ interessanter gestalteten. Auf dem Weg nach Londonderry war unser erster Halt der „Giant’s Causeway“ an der nördlichen Küste des Countys Antrim. Dort ragen sechseckig geformte Steine aus dem Boden, Überreste aus einem Vulkanausbruch von vor 60 Mio. Jahren.

Unser zweiter Stopp auf dieser Fahrt war das Dunluce Castle, eine Burgruine, die gefährlich nahe an einer Klippe steht. Dadurch wurde diese Burgruine zum Drehort von einigen Fantasy Franchise‘s wie beispielsweise Game of Thrones.

In Londonderry angekommen, traf sich der Chor am Morgen im Garten unserer Unterkunft, um sich auf das erste Konzert an diesem Abend vorzubereiten. Dieses sollte um 19:30 Uhr in der Christ Church in Londonderry stattfinden in Koorperation mit dem Codetta Youth Choir und dem Codetta Childrens Choir.

Nach der sehr interessanten Stadtführung durch die Geschichte Londonderry’s am Nachmittag, fanden wir uns dort also am Abend zusammen und sangen unser erstes Konzert. Die Stimmen der jungen Sängerinnen und Sänger fanden im Publikum viel Anklang. Selbst die kleinen Chorsänger des Codetta Childrens Choir saßen nach der Darbietung von „Nearer my God to Thee“ staunend in den Bänken der Christ Church.


Mit diesem gelungenen Auftakt für die weiteren Konzerte dieser Reise begaben wir uns am nächsten Tag also auf den Weg zurück nach Irland und an die Westküste nach Westport, wo wir bei einem Benefizkonzert für die ukrainischen Geflüchteten in dieser Stadt teilnehmen sollten. Auch auf dieser Busfahrt machten wir auf dem Weg einen Halt, bei den Fairy Bridges. Bei sehr nassem und stürmischem Wetter verbrachten wir fast eine dreiviertel Stunde an den Löchern in den Klippen, einem idealen Fotostopp. Trotz der nassen Klamotten wurde auch dadurch die Stimmung unserer Chormitglieder nicht getrübt und nach einer weiteren Stunde Fahrt in Westport angekommen konnten schließlich alle in trockene Klamotten schlüpfen.


Der nächste Morgen wurde für Probenarbeit genutzt. Vier unserer Männer hatten zugesagt bei einem weiteren Chor aus Westport auszuhelfen, der aufgrund von Prüfungen einen gewissen Männerstimmen-Mangel hatte, aber ebenfalls am Abend bei dem Benefizkonzert mitwirken sollte.

Das Konzert am Abend war in der St. Patricks Church im zwanzig Kilometer entfernten Newport. Der Versuch vor der Kirche ein schönes Gruppenfoto zu machen, wurde durch den immer stärker werdenden Wind geradezu zu einer Herausforderung. Der Neue Kammerchor sollte den Abschluss dieses Benefizkonzertes bilden. Vor uns boten sowohl ein Kinder- als auch ein Jugendchor (mit der Unterstützung unserer 4 Jungs) und ein ukrainischer Sänger einige Stücke dar und eine ukrainische Pianistin spielte Beethovens Sonata Nr.9. Nachdem wir unsere Stücke präsentiert hatten, beendeten alle Chöre den Abend gemeinsam mit der Ode „Freude schöner Götterfunken“ von Beethoven, in verschiedenen Sprachen sowie dem Lied „We are the World“ von Michael Jackson und Lionel Richie. Auch dieses Konzert traf auf viel Begeisterung im Publikum, welches uns auch Lob und Anerkennung aussprach.


Dann ging es für uns auch schon zu unserem letzten Ziel in Irland. Auf dem Weg nach Limerick machten wir jedoch erst noch einen Stopp in Galway und nutzten die Zeit dort, um das Städtchen zu besichtigen. Dort gibt es viele kleine Pubs und klassische Restaurants. Viele von uns fanden hier auch noch das ein oder andere mit dem Wort „Guinness“ bedruckte Mitbringsel, seien es Flaschenöffner, Schiebermützen oder Bierkrüge.


In Limerick wurden wir auf dem Campus der Limerick University in verwaisten Studentenappartements untergebracht, weil dort schon Semesterferien waren. An diesem Tag erwartete uns noch ein Workshop im Rahmen des „Limerick Sings Festival“ mit Nigel Short dem Chorleiter des weltbekannten Vokalensembles Tenebrae aus London. Nigel Short ist ein ehemaliger King’s Singer, der 2001 Tenebrae gründete. Er sprach während des Workshops viel über die Bedeutung des aufeinander Hörens in der Chormusik. Wir hatten das Glück, nach dem Workshop besagtes Vokalensemble live hören zu können. Sie boten ein breites Spektrum an klassischen A-Capella Stücken an, bei welchem jedes einzelne mit feinster Genauigkeit geprobt war und dort dann dargeboten wurde. Einen so klaren Klang hatte keiner unserer Sängerinnen oder Sänger davor schon einmal gehört.


Am nächsten Tag stand für uns sowohl ein Workshop auf dem Plan, als auch ein Trip an die Cliffs of Moher und unser letztes Konzert dieser Reise. Am Morgen wurde in dem Workshop das Stück „Sweet Child of Mine“ von den Gun’s n‘ Roses‘ gemeinsam mit zwei anderen Chören einstudiert, arrangiert und geleitet von David Brophy an, der später auch an den Cliffs of Moher diesen Chorsatz dirigieren sollte. Nach der Probe fuhren wir also 1 ½ Stunden zu den Cliffs of Moher, stellten uns mit den anderen Chören in einen Halbkreis und sangen „Sweet child of Mine“, mit den gewaltigen Klippen der irischen Westküste im Hintergrund. Auch hier war es bei enormem Wind eine große Herausforderung für alle. Für uns blieb danach noch Zeit das Naturspektakel genauer zu bewundern.



Am Abend stand dann unser letztes Konzert in der Redemtorist Church in Limerick an. Auch hier sangen zunächst andere Chöre des Festivals einige Stücke, bevor wir das Konzert beenden durften. Mit den anderen beiden Konzerten in Derry und Westport hatten wir bereits eine hohe Messlatte gelegt, doch dieses letzte Konzert war mit Abstand das beste unserer Reise. Nicht nur das Publikum war hin und weg von der stimmigen Intonation der Stücke, sondern auch wir selbst übertrafen jegliche unserer Erwartungen. Nach der zweiten Zugabe strahlten also nicht nur die Augen des Publikums, sondern auch die des Chores.


Text: Mirjam Koloska (FSJ Kultur - Freiwillige)













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